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Das Märchen von Tag und Nacht
Von Melanie Müller
Erzählt am Do 8. Nov. im Rahmen der Märchentage
Vor
langer, langer Zeit war die Nacht noch völlig schwarz und der Tag noch
ganz hell. Und der Wechsel zwischen Tag und Nacht war plötzlich, denn
der Tag und die Nacht kannten sich noch nicht und fürchteten sich
voreinander. Mit der Zeit wurden sie vertrauter und und begannen des
Morgens und Abends miteinander zu schwatzen. Immer mehr mochten sie
einander, so dass immer mehr Zeit miteinander verbringen wollten. So
entstand die Dämmerung und sie wurde immer länger. Denn schließlich
verliebten sich Tag und Nacht ineinander und wollten sich gar nicht
mehr trennen. Tag und Nacht wurden eins und immer herrschte Halbdunkel
auf der Erde.
Nach einer Weile wurde dies den Tieren und Menschen zu
bunt. Sie gingen zu Gott und beklagten sich, dass Sie weder ihren
Aufgaben nachgehen konnten, da es nie hell genug war; noch dass sie gut
schlafen konnten, da es nie dunkel genug war. Also ging Gott hin und
sprach zu Tag und Nacht, dass sie sich wieder trennen sollten. Doch Tag
und Nacht liebten einander und flehten, sich nicht trennen zu müssen.
Schließlich bekam Gott Mitleid und erlaubte ihnen eine kurze
Dämmerungszeit. Doch dies war den beiden nicht genug. Denn durch den
langen Tag und die lange Nacht hindurch hatten sie furchtbare Sehnsucht
nacheinander. So hatte Gott denn Erbarmen und erlaubte ihnen, einen
kleinen Teil des jeweils anderen bei sich zu behalten. Der Tag bekam
dunkle Wolken, die die Sonne verdunkelten und an die Nacht erinnerten;
und die Nacht bekam kleine Funken des Tages, die seitdem als Sterne am
Himmel glänzen.
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